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Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2026 im Millerntorstadion, St. Pauli


Kranzniederlegung, Filmausschnitte, Gespräch und Diskussion


Dienstag, 27. Januar 2026

Der Arbeitskreis Distomo gestaltet gemeinsam mit dem Fanladen St. Pauli und den Fanräumen am Millerntor eine Veranstaltung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Um 18:00 Uhr findet die vom Fanladen St. Pauli und den Fanräumen ausgerichtete Kranzniederlegung an der Erinnerungstafel für die im Nationalsozialismus verfolgten Mitglieder des FC St. Pauli am Harald-Stender-Platz statt.
Nach der Kranzniederlegung gestaltet der AK Distomo in Kooperation mit dem Fanladen St. Pauli und den Fanräumen im Millerntorstadion den inhaltlichen Teil der Veranstaltung.



18:00 Uhr (Harald-Stender-Platz)
Kranzniederlegung

18:30 Uhr – Ballsaal (Millerntorstadion)
Filmausschnitte, Gespräch und Diskussion



Hintergrund

Salo Muller, geb. 1936 in Amsterdam, überlebte als Kind den Holocaust, versteckt vom niederländischen Widerstand. Seine Eltern wurden mit Zügen der Deutsche Reichsbahn aus den Niederlanden deportiert und in Auschwitz ermordet, wie auch 70 weitere Verwandte. Insgesamt wurden 107.000 niederländische Jüdinnen und Juden sowie Roma und Sinti unter der Herrschaft Nazideutschlands in die Vernichtungslager deportiert. Ohne die Logistik der Deutschen Reichsbahn wäre der Holocaust nicht möglich gewesen. Die Opfer mussten für die Kosten ihrer Deportation selbst aufkommen. Für die Fahrten durch das Gebiet des Deutschen Reiches erhielt die Reichsbahn nach Schätzungen von Historikern umgerechnet rund 445 Millionen Euro.
Diese Verbrechen verfolgen Salo Muller bis heute. Das Unrecht an seinen Eltern und den vielen anderen Ermordeten wurde nie gesühnt. Deshalb fordert er von der Deutsche Bahn AG eine finanzielle Entschädigung und eine ernst gemeinte Entschuldigung für die niederländischen Überlebenden der Deportationen sowie für die Angehörigen der Ermordeten. Als Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn muss sich die Deutsche Bahn AG ihrer historischen, rechtlichen und moralischen Verantwortung stellen.
Im Jahr 2019 erklärten sich die Nederlandse Spoorwegen bereit, Entschädigungszahlungen an Überlebende und Hinterbliebene zu leisten. Dieses Einlenken geht auf Salo Mullers Initiative zurück und zeigt, dass späte und symbolische Gerechtigkeit möglich ist, wenn die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme besteht.
Diese Bereitschaft fehlt bislang bei der Deutschen Bahn AG. Sie hat das Vermögen der Reichsbahn übernommen und kann daher nicht leugnen, auch für deren Verbindlichkeiten einstehen zu müssen. Keine Rechtsvorschrift hindert sie daran, Entschädigungen zu leisten. Die finanziellen Mittel sind vorhanden. Es geht dabei nicht nur um Geld, sondern um Anerkennung von Schuld und Verantwortung.
Zugleich leistet die Deutsche Bahn AG regelmäßig Spenden an Holocaust-Gedenkstätten, etwa an Yad Vashem. Diese Spenden zeigen ein Bewusstsein für die Verbrechen der Reichsbahn, verfehlen jedoch das Ziel der Gerechtigkeit, solange die konkreten Opfer nicht entschädigt werden. Für die Betroffenen wirken solche Gesten wie ein Schlag ins Gesicht.
Die wenigen noch lebenden Holocaustüberlebenden sind heute über 80 Jahre alt. Sie können nicht länger warten. Jede Woche sterben weitere Überlebende.


Filmausschnitte, Gespräch und Diskussion

Beginn: 18:30
Ort: Ballsaal, Millernstorstadion (Haupttribüne)

In den Filmausschnitten geht es um Mullers Kampf für Entschädigungen, seine Liebe zum Fußball, seinen Einsatz gegen Antisemitismus, die Bedrohungen nach dem 07. Oktober 2023 und um jüdisches Leben heute.

Im Anschluss findet ein Podiums-Gespräch statt mit:

  • Joris Postema, Regisseur (Niederlande)
  • Aktivist*innen des AK Distomo
  • Martin Klingner, Rechtsanwalt von Salo Muller

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen die rechtlichen Aspekte der Entschädigungsfrage, der bisherige Verlauf der Auseinandersetzungen sowie die Bedeutung des Themas für die gegenwärtige Erinnerungskultur. Thematisiert wird, wie Salo Muller die Entschädigung durch die niederländischen Staatsbahnen erreicht hat, warum vergleichbare Forderungen gegenüber der Deutschen Bahn bislang zurückgewiesen werden und welchen Widerständen Salo Muller und die unterstützende Initiative dabei begegnen. Der Filmemacher Joris Postema spricht zudem über seine Begegnungen mit Salo Muller, die Entstehung des Films und seine öffentliche Resonanz.
Martin Klingner wird über die Unterstützung Salo Mullers berichten und ordnet den politischen und juristischen Kontext ein. Im Anschluss gibt es Raum für Fragen aus dem Publikum, eine gemeinsame Diskussion darüber, wie Salo Muller weiter unterstützt werden kann, sowie eine kleine gemeinsame Aktion.


Barrierefreiheit

Die Veranstaltungen sind barrierefrei zugänglich.


Hinweise zur Teilnahme

Die Veranstaltung ist kostenlos und richtet sich an die Fanszene des FC Sankt Pauli und interessierte Öffentlichkeit. (First-come, First served)


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